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Das Bildungsbüro des Landratsamts Ostalbkreis hat kürzlich den zweiten Bildungsbericht publiziert. Darin wird die Gesamtentwicklung des Bildungswesens im Kreis von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter beschrieben. Im Bereich der allgemein bildenden Schulen wird insbesondere das Thema "Übergänge" betrachtet. Die höchste Übergangsquote kann inzwischen auch im Ostalbkreis das Gymnasium verzeichnen.

Übergänge im Schulwesen sind für Kinder sind oft wegweisend für deren weitere Bildungsbiographie. Dabei erfuhr in Baden-Württemberg besonders die Gestaltung des Übergangs von der Grundschule in die weiterführende Schulen in den letzten Jahren eine besondere Aufmerksamkeit. Verschiedene Reformen wie etwa die Abschaffung der – verbindlichen – Grundschulempfehlung wurden teils sehr emotional diskutiert und führten auch im Ostalbkreis zu weitreichenden Entwicklungen. 
Lange Zeit entschied die verbindliche Grundschulempfehlung über die weitere Schulbiographie der Schüler. Seit dem Schuljahr 2012/13 ist die Grundschulempfehlung nicht mehr verbindlich und die Rechte und Verantwortung der Eltern wurden dadurch gestärkt. Eltern können seither in eigener Verantwortung entscheiden, auf welche Schulform ihr Kind nach der Grundschulzeit wechseln soll. 

Grundschulempfehlung verliert an Einfluss

Durch die Stärkung des Elternwillens wurde vielerorts die Vermutung geäußert, dass die Wechselquoten auf die Realschulen und vor allem die Gymnasien steigen werden. Tatsächlich stiegen im Ostalbkreis die Übergangsquoten auf die Gymnasien deutlich an, wie die Ergebnisse des neuen Ostalbkreis-Bildungsberichts belegen. Die im Bildungsbericht dargestellten Zahlen zeigen auch, dass durch die Abschaffung der Verbindlichkeit auch die Bildungsempfehlung an Einfluss verloren hat. Denn für das Schuljahr 2016/17 fällt beispielsweise auf, dass in Aalen und Ellwangen mehr SchülerInnen an einem Gymnasium angemeldet wurden, als Bildungsempfehlungen für das Gymnasium ausgesprochen wurden. Dies trifft ebenfalls auf die Realschule zu, die deutlich häufiger als weiterführende Schule gewählt wird, als noch im Rahmen der Bildungsempfehlung empfohlen wurde. 

Realschulen im Ostalbkreis weiterhin beliebt

Demgegenüber ist der Unterschied zwischen Bildungsempfehlung und Anmeldeverhalten bei den Werkrealschulen besonders ausgeprägt. Zwar wird die Werkrealschule seitens der LehrerInnen noch relativ häufig empfohlen, als Schulform für die weiterführenden Schulen stellt sie für die Grundschüler und deren Eltern kaum noch eine Option dar. Die Ergebnisse des zweiten Bildungsberichts des Ostalbkreises zeigen etwa, dass zum Schuljahr 2016/17 5,2 Prozent der 2.694 Viertklässler des Ostalbkreises auf eine Werkrealschule, deren Anzahl rückläufig ist, wechselten. Das sind fast 20 Prozent weniger als noch zu Zeiten, als die verbindliche Grundschulempfehlung über die Schulform an der weiterführenden Schule entschied. Auf die neu eingeführten Gemeinschaftsschulen gingen 15,6 Prozent und auf eine Realschule 36,8 Prozent. Gymnasien gewannen hingegen deutlich an Zugkraft. 43,8 Prozent der Grundschüler entschieden sich für die Fortsetzung der Schulkarriere an einem Gymnasium. Die Gymnasialquote ist dabei seit dem Schuljahr 2013/2014 relativ konstant. Das heißt, der Höhepunkt könnte – zumindest vorübergehend – erreicht sein. In Baden-Württemberg wechselten bereits zum Schuljahr 2001/02 die meisten Schüler nach der Grundschule auf ein Gymnasium.

Allerdings war es im Ostalbkreis lange Tradition, dass die meisten SchülerInnen nach der Grundschule auf eine Hauptschule wechselten. Dies war bis zum Schuljahr 1999/2000 der Fall. Dann wechselten die meisten Kinder auf eine Realschule. Die Gymnasien übernahmen hingegen erst ab dem Schuljahr 2013/14 die Pole-Position, als 40,2 Prozent der Grundschulkinder nach der vierten Klasse auf ein Gymnasium wechselten. Relativ stabil verhalten sich hingegen schon seit vielen Jahren im Ostalbkreis die Übergangszahlen auf eine Realschule. Und auch zum Schuljahr 2016/17 wechselte noch in etwa jeder dritte Viertklässler nach der Grundschulzeit auf eine Realschule. Dass die Realschule auch weiterhin eine große Rolle bei den SchülerInnen im Ostalbkreis spielt, kann wohl auch mit den Anschlussmöglichkeiten der Beruflichen Schulen erklärt werden. 

Attraktive Anschlussoption für Realschüler ist immer die Ausbildung gefolgt vom Übergang in eine Berufliche Schule

Über 40 Prozent der Abgänger aus den Realschulen wechseln in eine duale Ausbildung, das ist weit höher als der Landesdurchschnitt. Die Zahlen des Bildungsberichts belegen aber auch, dass im Schuljahr 2016/17 523 der neu eingetretenen SchülerInnen der Beruflichen Gymnasien von einer Realschule kamen. Die Anzahl entspricht 34,7 Prozent der SchülerInnen, die im Schuljahr davor die Abschlussklasse einer Realschule im Ostalbkreis besucht haben. Das bedeutet also, dass im Ostalbkreis jeder dritte Realschüler nach der 10. Klasse an ein Berufliches Gymnasium wechselt. Somit setzen sich die Klassen an den Beruflichen Gymnasien zu einem großen Teil aus ehemaligen RealschülerInnen zusammen. Die anderen Schüler der Beruflichen Gymnasien stammen dem Bildungsbericht des Ostalbkreises zufolge aus allgemein bildenden Gymnasien, zweijährigen Berufsfachschulen sowie zu einem kleineren Teil auch aus Werkrealschulen. 

Anzahl der Klassenwiederholungen ging in den letzten zehn Jahren um mehr als 30 Prozent zurück

Die meisten Wiederholer sind in den letzten zehn Jahren in den Realschulen in Klasse 9 zu verzeichnen. Schaut man sich das Berichtsjahr 2015/2016 an, so liegen dort die meisten Wiederholungen bei den Realschulschülerinnen und -schülern der achten Klasse. Gefolgt von den Haupt- und WerkrealschülerInnen der Klasse sieben. In den Gymnasien sind im Schuljahr 2016/2017 ebenfalls die meisten Klassenwiederholungen in der siebten Klasse festzustellen, allerdings mit einem geringeren prozentualen Anteil. Zukünftig ist mit einer noch niedrigeren Zahl an Klassenwiederholungen zu rechnen, denn an Gemeinschaftsschulen gibt es schon auf Grund der Einführung der unterschiedlichen Lern-Niveaus beispielweise das Sitzenbleiben nicht mehr. 

Seit dem Schuljahr 2011/2012 liegt die Quote derjenigen, die die Schule mit dem Abitur verlassen, über der Quote der SchülerInnen, die mit einem Hauptschulabschluss abgehen.
Allerdings ist bei allen Schulabgängern im Schuljahr 2015/2016 die Mittlere Reife der meist erworbene Schulabschluss. Ausländische SchülerInnen erwerben im Ostalbkreis weiterhin deutlich seltener das Abitur als deutsche SchülerInnen.

INFO:

Der 2. Bildungsbericht des Ostalbkreises steht im Download zur Verfügung. Anregungen zum Bildungsbericht nimmt das Bildungsbüro gerne telefonisch oder per E-Mail entgegen (Tel. 07961 503-1684, E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ). Diese werden in die Diskussion im Rahmen der Bildungskonferenz am 24. Oktober 2018 im Aalener Landratsamt eingebracht.

Publiziert in Behörden
Viele Jugendliche stehen am Ende ihrer Schulzeit vor der Herausforderung, sich zwischen 350 dualen Ausbildungsberufen, zahlreichen fachschulischen Ausbildungsgängen und einer großen Zahl an Studiengängen entscheiden zu müssen. Diese Wahl für den eigenen Beruf bestimmt den weiteren Lebensweg maßgeblich und sollte daher gut vorbereitet sein. Dabei kommt den Schulen und ihren Partnern in Wirtschaft und Gesellschaft eine entscheidende Rolle zu. Mit dem Projekt „BoriS - Berufswahl-Siegel Baden-Württemberg“ wird die beispielhafte und erfolgreiche Zusammenarbeit beim Übergang Schule - Beruf gewürdigt.

Alle weiterführenden Schulen in Baden-Württemberg waren dieses Jahr bereits zum elften Mal zur Teilnahme am Wettbewerb aufgerufen. Eine unabhängige Jury mit Vertretern aus Unternehmen, Schulen und Beratung bewertete die Bewerbungen anhand eines einheitlichen Kriterienkatalogs.

In Ostwürttemberg wurde in diesem Jahr das Berufswahl-Siegel an drei Schulen verliehen. Das Berufswahl-Siegel ist drei Jahre gültig. Danach kann sich eine Schule für weitere fünf Jahre re-zertifizieren lassen.

Zertifiziert wurden in diesem Jahr die Robert-Bosch-Realschule aus Giengen, die Härtsfeldschule aus Neresheim und die Konrad-Biesalski-Schule in Wört. Die Robert-Bosch-Realschule unter der Leitung von Schulleiter Dietmar Opitz stellte sich zum zweiten Mal der Zertifizierung und konnte auch dieses Mal wieder zeigen, dass die Schule ihre Aktivitäten in der Berufsorientierung weiter intensiviert hat. Auch die Konrad-Biesalski-Schule mit Schulleiter Thomas Buchholz hat mit ihren besonderen Berufsorientierungsmaßnahmen und den vielfältigen und auf die verschiedenen Bedürfnisse der Schüler ausgerichteten Aktivitäten
bei der Re-Zertifizierung bewiesen, dass sie das Berufswahlsiegel BoriS verdient haben. Die Härtsfeldschule Neresheim unter  Schulleiter Heinz Schmidt hat sich dem Audit des Berufswahl-Siegels zum ersten Mal gestellt. Die Härtsfeldschule konnte die Jury mit ihrem Konzept zur beruflichen Orientierung überzeugen. Bei den gewürdigten Projekten steht der Austausch zwischen Schule und Wirtschaft im Vordergrund. Dabei reicht das Spektrum von schulisch organisierten Berufs-Infotage bis hin zu gewachsenen Bildungspartnerschaften und vielem mehr.

Boris–Berufswahl-Siegel Baden-Württemberg

Das Boris–Berufswahl-Siegel Baden-Württemberg: Das Projekt verfolgt im Wesentlichen drei Ziele: Die berufliche bzw. Studienorientierung von Schülerinnen und Schülern zu verbessern, die Zusammenarbeit von Schulen und externen Partnern auszubauen sowie Transparenz hinsichtlich der Angebote und Aktivitäten zu schaffen. Damit soll der Wettbewerb angeregt und ein möglicher Einstieg in die Qualitätsentwicklung von Schulen aufgezeigt werden. Gleichzeitig wird sichergestellt, dass die erprobten Instrumente anderen interessierten Schulen zugänglich gemacht werden und das Netzwerk weiter ausgebaut wird.

Die Gesellschaft wird getragen von dem Baden-Württembergischen Handwerkstag, dem Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertag und der Landesvereinigung Baden-Württembergischer Arbeitgeberverbände und der Baden-Württemberg-Stiftung.

Publiziert in Wirtschaft