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Dienstag, 26 September 2017 12:00

Notfallsanitäter im Rettungsdienst: „Motivation darf nicht in Frust umschlagen!“

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DRK-Kreisgeschäftsführer Bruno Bieser (3 v. r.), Josef Bühler (l.), Geschäftsführer der AOK Ostwürttemberg und DRK-Rettungsdienstleiter Tobias Gerhardts (M.) wollen für ihre Notfallsanitäter Rechtssicherheit.  Mit auf dem Bild (v. r.)  die Auszubildende zur Notfallsanitäterin Sophia Sattler und  Ariana Pipic sowie Notfallsanitäterin Evamaria Großmann und Rettungsanitäter  Benedikt Rehlinger (ab 1.10.17 ebenfalls Schüler Notfallsanitäter) DRK-Kreisgeschäftsführer Bruno Bieser (3 v. r.), Josef Bühler (l.), Geschäftsführer der AOK Ostwürttemberg und DRK-Rettungsdienstleiter Tobias Gerhardts (M.) wollen für ihre Notfallsanitäter Rechtssicherheit. Mit auf dem Bild (v. r.) die Auszubildende zur Notfallsanitäterin Sophia Sattler und Ariana Pipic sowie Notfallsanitäterin Evamaria Großmann und Rettungsanitäter Benedikt Rehlinger (ab 1.10.17 ebenfalls Schüler Notfallsanitäter) Bild: AOK

Die AOK Ostwürttemberg und das Deutsche Rote Kreuz Kreisverband Schwäbisch Gmünd mahnen, dass den ausgebildeten oder weiterqualifizierten Notfallsanitäter, obwohl sie das Wissen haben, die Rechtssicherheit fehlt, dieses im Notfall auch anzuwenden.

Schwäbisch Gmünd, 21.09.2017 – Wenn Ende September die ersten Notfallsanitäter ihre Ausbildung abschließen, werden sie als Verantwortliche auf Rettungswagen im Einsatz sein. Einiges, was sie in den drei Jahren gelernt haben, dürfen sie jedoch nicht in die Tat umsetzen. Grund hierfür sind unzureichende bundesgesetzliche Vorgaben. Die AOK Ostwürttemberg und die DRK Kreisverband Schwäbisch Gmünd fordern den Gesetzgeber auf, diese Hindernisse zügig zu beseitigen.

Mit der Einführung der dreijährigen Ausbildung des Notfallsanitäters zum 1. Januar 2014 und der damit endenden Ausbildung zum Rettungsassistenten versprach man sich besser ausgebildete Rettungsdienstmitarbeiter, die den Patienten am Einsatzort noch kompetenter helfen können – gerade dann, wenn  der Notarzt noch nicht am Einsatz eingetroffen ist. „Wir haben im Bereich Schwäbisch Gmünd schon 17 unserer Rettungsassistenten zu Notfallsanitäter weiterqualifiziert, fünf weitere sind gerade dabei“, sagt DRK-Kreisgeschäftsführer Bruno Bieser. „Ende September wird unser erster Auszubildender zum Notfallsanitäter fertig sein. Derzeit sind weitere zehn Azubis in der dreijährigen Ausbildung.

Die Krankenkassen im Land und damit auch in Ostwürttemberg finanzieren mit einem nicht unerheblichen Millionenbetrag die Ausbildung aber auch die Weiterqualifizierung der bestehenden Rettungsassistenten zum Notfallsanitäter. „Wir stehen mit dafür ein, dass unseren Versicherten im Notfall schnell und kompetent geholfen wird“, betont Josef Bühler, Geschäftsführer der AOK Ostwürttemberg, der im Wechsel mit dem DRK-Kreisvorsitzender Dr. Eberhard Schwerdtner dem Bereichsausschuss Rettungsdienst im Ostalbkreis vorsitzt. „Wenn gut ausgebildete Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter vor Ort sind und ihr Wissen nicht anwenden dürfen, muss das geändert werden.“ 

Eine Grundlage der Ausbildung in Baden-Württemberg sind zwischen allen Rettungsdienstschulen und den zuständigen Ministerien abgestimmte Handlungsempfehlungen. In diesen ist ein standardisiertes Vorgehen in 19 Notfallsituationen geregelt - vom Kreislaufstillstand über den Herzinfarkt und Schlaganfall bis hin zum schwerverletzten Unfallopfer. „Unsere neuen Notfallsanitäter werden in drei Jahren fit gemacht, um im Notfalleinsatz kompetent helfen zu können. Sie dürfen ihr hohes Wissen und Können jedoch nicht vollständig in der Praxis anwenden“, stellt Bruno Bieser fest.

Eine Ursache hierfür ist im Heilpraktikergesetz zu finden, das den Notfallsanitätern die erweiterten Möglichkeiten im Einsatz aufgrund der fehlenden Arztbestallung verbietet und sogar unter Strafe stellt. Auch die Verabreichung von Schmerzmitteln die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, ist laut eines Gutachtens rechtsunsicher, da diese Medikamente Ärzten vorbehalten sind. Für AOK-Chef Bühler und den DRK-Geschäftsführer ist klar: Der Bundesgesetzgeber muss schnellstmöglich die Rahmenbedingungen schaffen, damit das Notfallsanitätergesetz nicht ins Leere laufe.

„Unsere Mitarbeiter, die die Qualifikation  absolviert haben, sind dadurch hoch motiviert“, betont Bruno Bieser. “Ich sehe  jedoch die große Gefahr, dass diese Motivation in Frustration umschlagen kann, wenn dieses Wissen nicht angewandt werden darf.“ Auch Josef Bühler sieht die Gefahr, dass die Weiterbildung umsonst sein könnte, wenn das neu erworbene Wissen in der Praxis nicht zügig angewandt werden darf. Es könnte wieder vergessen werden. „Das wäre am Ende eine große Geldverschwendung und damit würde das Ziel, die Notfallversorgung für die Bürger zu verbessern, nicht erreicht.“

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