MeineOstalb
News & Events aus der Region
Mittwoch, 06 September 2017 06:00

Die Energie- und Klimaschutzberatung des Ostalbkreises (EKO) berät unabhängig und kompetent

Artikel bewerten
(0 Stimmen)

Viele Menschen schauen inzwischen mit besorgtem Blick auf die möglichen Folgen des Klimawandels. Mehr oder weniger Hoffnung setzen sie dabei auf die Landes- oder Bundespolitik. Gesetze für den Klimaschutz sind sicher wichtig. Mindestens genauso bedeutsam jedoch sind die vielen Puzzlestücke, die Privathaushalte, Kommunen und Un-ternehmen zu einem zukunftsfähigen Umgang mit Energie beitragen können.


Wer die Energiewende zu Hause, im Verein oder im Unternehmen voranbringen will, braucht unabhängigen und kompetenten Rat. Neben dem Stromverbrauch, der Mobilität sowie dem Konsum und der Ernährung steht die Sanierung älterer Gebäude besonders im Fokus. Die eigene Immobilie sollte genauestens begutachtet werden, bevor Fachbetriebe damit beginnen, eine passende Dämmung, neue Fenster, die richtige Heizungsanlage oder Photovoltaik zu installieren. Und die Zahl der Fördermöglichkeiten für solche Vorhaben ist groß.

Die mehr als 30 regionalen Klimaschutz- und Energieagenturen in Baden-Württemberg informieren verlässlich und beraten neutral seit vielen Jahren zu diesen Themen. Im Ostalbkreis nimmt der Verein EKO- EnergiekompetenzOstalb e. V. die Funktion der Energieagentur war. Sein Geschäftsführer Ralf Bodamer erzählt aus seinem Alltag.


Herr Bodamer, ist es wirklich entscheidend für den Klimaschutz, in den eigenen vier Wänden mit dem Energiesparen zu beginnen?
Ralf Bodamer: Ich denke ja. In ungezählten Kellern von Privathaushalten arbeiten Jahrzehnte alte ungeregelte Heizungspumpen und Kessel. Durch ungedämmte Hausfassaden und Dächer sowie durch alte Fenster entweicht unnötig viel Wärmeenergie. All das trägt maßgeblich zum globalen CO2-Ausstoß und damit zum Klimawandel bei. Privat-haushalte verbrauchten 2015 rund ein Viertel der Endenergie in Deutschland. Hier gibt es also noch jede Menge Sparpotentiale. Allein durch eine Wärmedämmung beispielsweise lässt sich je nach Gebäudezustand der Verbrauch an Heizenergie durchschnittlich um rund 50 Prozent senken.

Das klingt überzeugend. Was hält manche Menschen trotzdem davon ab, energetisch zu sanieren?
Dafür gibt es mehrere Gründe. Viele Leute unterschätzen ihren persönlichen Einfluss auf den Klimawandel oder denken, eine komplette Modernisierung ist zu teuer. Sie sagen "meine Heizung hat so lange funktioniert, jetzt tut sie’s auch noch eine Weile". Das alles ist zu kurz gedacht.

Können Sie das genauer erklären?
Der CO2-Ausstoß einer betagten Heizungsanlage kann um ein Vielfaches höher liegen als der einer neuen. Entsprechend sind die Energieverluste immens. Mit den Jahren entstehen unnötig hohe Kosten. Eine ganzheitliche Sanierung bekommt man nicht umsonst, aber es gibt ordentliche Fördergelder und die Investition amortisiert sich nach einiger Zeit. Es ist außerdem möglich, schrittweise vorzugehen. Und bedenken Sie: Wenn die alte Heizungsanlage plötzlich versagt, dann muss ganz schnell eine neue her. Bei solchen Hau-Ruck-Verfahren bleiben eine gute Beratung und das Fördergeld eventuell leicht auf der Strecke.

Wenn ich mein Gebäude nun modernisieren möchte: Warum sollte ich dann zuerst zu Ihnen ins EKO- Energieberatungszentrum nach Böbingen kommen?
Damit Sie bei Ihrem Vorhaben den bestmöglichen Effekt erzielen, brauchen Sie vorab eine unabhängige Fachberatung. Die gibt es bei uns. Unser Beratungsteam ist immer auf dem neuesten Wissensstand: Wir kennen die aktuellen technischen Entwicklungen, verfolgen Gesetzesänderungen – und wir können jeder Hausbesitzerin, jedem Unter-nehmer das passende Bundes- oder Landesförderprogramm empfehlen.

Wer genau kann sich denn von Ihnen beraten lassen?
Bürgerinnen und Bürger des Ostalbkreises bekommen bei uns eine persönliche und kostenfreie Erstberatung. Dabei geht es in den allermeisten Fällen um die energetische Modernisierung ihres Gebäudes oder ihrer Wohnung. Zu unserer Kundschaft gehören aber auch Unternehmen, Kommunen, kirchliche Einrichtungen und Vereine.

Welche Leistungen bekommen private Ratsuchende beim ersten Kontakt?
Schwerpunkt bei Privatleuten ist die energetische Sanierung des Wohnhauses oder der Wohnung. Im Erstgespräch geht es um Wärmedämmung, den Austausch der Heizungsanlage und der Fenster sowie den Einsatz erneuerbarer Energie. Anhand des Baujahres, der Wohnfläche, des Heizenergieverbrauchs und eventuell schon durchgeführter Maßnahmen schätzen wir den energetischen Zustand des Gebäudes ab. Wir sondieren, welche Schritte sinnvoll sind. Außerdem bekommen die Ratsuchenden Vorschläge dazu, wie sie ihren Stromverbrauch senken und sich im Alltag energiebewusst verhalten können. 

Können Sie in diesem Stadium bereits Kosten kalkulieren und geeignete Fördermittel empfehlen?
Ja, das ist in der Regel überschlägig möglich. Wir schätzen die Wirtschaftlichkeit der empfohlenen Modernisierungsschritte ab und weisen auf die verfügbaren Förderprogramme hin. Die Auswahl an Zuschüssen ist groß und für Laien häufig undurchsichtig. Sowohl die Bundesregierung als auch das Land Baden-Württemberg bieten über ihre Förderbanken teils erhebliche Unterstützung für energetische Sanierungsvorhaben an. Zum einen sind es Investitionszuschüsse, zum anderen zinsgünstige Kredite. Das kann einen spürbaren Teil der Gesamtkosten ausmachen.

Sicher lassen sich bei einer Impulsberatung nicht alle Fragen beantworten. Was passiert danach?
Eine Einstiegsberatung ersetzt natürlich keine tiefergehende Energiediagnose oder einen umfassenden Sanierungsfahrplan. Dazu muss sich ein Fachmann bei einem Ortstermin zwingend das Gebäude ansehen. Entweder vereinbaren wir weitere Treffen mit den Ratsuchenden oder wir verweisen sie an einen freien Energieberater aus unserem Netzwerk. Wir arbeiten auch mit der Verbraucherzentrale zusammen und bieten für eine geringe Gebühr beispielsweise vor Ort einen Basischeck oder einen Heizungscheck an. Auf Wunsch halten wir Listen von entsprechend ausgebildeten Handwerkern bereit. Die-se Folgeleistungen sind dann natürlich nicht mehr kostenlos. In der Regel gibt es jedoch auch hierfür Fördermöglichkeiten. Finanzschwache Haushalte sind teilweise befreit. Man sollte immer daran denken, dass eine gute Beratung Gold wert ist. Hier zu sparen ist nicht sinnvoll, wenn man sein gutes Geld später effizient in Sanierungsmaßnahmen investieren will.

Geht es um Klimaschutzbemühungen, wird zumeist ans Gewissen appelliert oder es geht um die Kosten. Gibt es noch andere Gründe, sein zu Hause energetisch zu modernisieren?
Ja! Das Stichwort heißt: Behaglichkeit. Wer einmal in einem Gebäude war, dessen Außenhülle gedämmt ist und das eine hochwertige Mehrfachverglasung bekommen hat, weiß: Man fühlt sich pudelwohl darin. Die Wände sind im Winter warm, das spürt man. Und wenn ich beim Duschen daran denke, dass die Sonne mein Wasser erwärmt hat, macht es gleich doppelt so viel Spaß. 

Geht Energiesparen nicht auch mit Komfortverzicht einher?
Das lässt sich aus mehreren Blickrichtungen betrachten. Nach einer Sanierung bleibt mein Wohnkomfort mindestens erhalten oder er steigt; ich setze dafür aber deutlich weniger Energie ein. Senke ich zusätzlich die Raumtemperatur um ein Grad, spare ich noch mehr – und fühle mich vermutlich trotzdem wohl. Manche Räume wie etwa der Flur kommen mit einer noch geringeren Temperatur aus. Einen guten Durchlaufbegrenzer für die Dusche spüren Sie nicht. 

Was den Einsatz von Photovoltaik oder Solarthermie betrifft, sind manche Bürger verunsichert: Lohnt sich das noch?
Allerdings. Eine Solarthermie-Anlage deckt bis zu 60 Prozent des jährlichen Warmwasserbedarfs. Photovoltaik macht sich besonders bezahlt, wenn Sie einen Großteil des erzeugten Stromes selbst verbrauchen können. Für moderne Batteriespeichersysteme gibt es inzwischen gute Zuschüsse. Ihre Technologie entwickelt sich laufend fort und wird zusehends leistungsfähiger. Mit dem Besitz von Solartechnik erfüllen Hausbesitzerinnen und -besitzer zudem das Erneuerbare-Wärme-Gesetz, das EWärmeG. Diese baden-württembergische Verordnung besagt, dass nach einem Heizungstausch 15 Prozent der Wärme aus erneuerbaren Quellen stammen oder eine Ersatzoption erfüllt werden muss.

Andere Zweifel betreffen die Wärmedämmung: Wird das Gebäude damit nicht versiegelt und dem Schimmel Vorschub geleistet?
Schimmel tritt auf, wenn sich warme, feuchte Luft an Bauteiloberflächen abkühlt. Hier kann sich im Extremfall Kondensat bilden, was die Schimmelbildung begünstigt. Ein zusätzlicher Wärmeschutz hebt die raumseitige Oberflächentemperatur der Außenbauteile an und senkt das Schimmelrisiko somit grundsätzlich. Wichtig: Auch schlecht gedämmte Gebäude "atmen" nicht! Sie verlieren aber unnötig viel Wärme. Wände lassen per se keine Luft hindurch – außer durch undichte Fugen. Ein mit guter Dämmung und hochwertigen Fenstern ausgestattetes Haus braucht allerdings eine gute Belüftung. Dafür ist es wichtig, mehrmals täglich mit Durchzug zu lüften. Eine moderne Lüftungsanlage erfüllt den gleichen Zweck. 

Wenn ich als Hausbesitzer frage: "Welcher Weg ist der beste, um im Gebäude Energie zu sparen?" – was empfehlen Sie mir?
Mit einer gut gedämmten Gebäudehülle ist ein guter Anfang gemacht. Damit geht so wenig wie möglich Energie verloren – und muss also gar nicht erst erzeugt werden. Wenn Sie zudem erneuerbare Energien einsetzen, sind Sie ein gutes Stück weiter. Unser Favorit heißt jedoch: ganzheitliche Sanierung. Denn nur damit erfassen Sie alle Ele-mente, sparen eine Menge Energie und rüsten Ihr Eigentum für eine klimafreundliche Zukunft. Eine Pauschalantwort gibt es dennoch nicht. Man sollte immer den konkreten Einzelfall betrachten: das Gebäude, den Besitzer oder die Besitzerin und deren Lebens-weise. Deshalb ist eine vorherige Beratung auch so wichtig.

Welche Angebote halten Sie für Kommunen, Vereine und Unternehmen bereit?
Bei diesen Kunden werfen wir beispielsweise einen Blick auf Liegenschaften oder das Vereinsgebäude. Wir empfehlen einen finanziell und technisch machbaren Weg dazu, wie sich die Heizungsanlage, die Beleuchtung, die Gebäudehülle und die Fenster er-neuern lassen. 

Welchen Nutzen ziehen Städte und Gemeinden aus Ihrem Angebot?
Wir unterstützen Kommunen bei all ihren Bestrebungen, den Energieverbrauch zu minimieren und damit die CO2-Bilanz zu verbessern. Wir sprechen mit Bürgermeistern und Bürgermeisterinnen, Bauamtsleitern und anderen Verantwortlichen oder gehen in den Gemeinderat. Hausmeister schulen wir in der optimalen Regelung der von ihnen betreuten Heizungsanlagen. Auch Schulen können uns buchen: Schülerinnen und Schüler lernen in vom Land finanzierten Unterrichtseinheiten, wie sich Strom sparen lässt und erfahren Hintergründe. Besonders attraktiv für Kommunen kann die Teilnahme am European Energy Award (eea) sein. Das europäische Programm bewertet kommunale Klimaschutzaktivitäten und hilft systematisch, sie weiterzuentwickeln. Wir begleiten den Prozess. Durch unsere gesamten Aktivitäten sorgen wir überdies für viele Aufträge in Handwerk und Wirtschaft, die unserer Region zu Gute kommen.

Sehen Sie sich bei Ihren Aktivitäten als Einzelkämpfer oder bekommen Sie Unterstützung von außen?
Wir kooperieren natürlich mit den benachbarten Agenturen und tauschen uns landesweit mit den anderen regionalen Energieagenturen aus. Außerdem sind wir eingebunden in Programme des Landes- und des Bundesumweltministeriums. Mit der Landesenergieagentur KEA und deren Kompetenzzentren stehen uns außerdem erfahrene Ansprechpartner zu vielen Themenfeldern zu Verfügung.

Herr Ralf Bodamer, eine Frage zum Schluss: Was ist Ihnen als Chef einer Energieagentur besonders wichtig?
Wir beraten aus Überzeugung! Wesentliches Anliegen ist es mir, dass die Menschen, die zu uns kommen, eine sachlich richtige Einschätzung mit nach Hause nehmen. Schön wäre außerdem, wenn wir ihnen vermitteln konnten, dass energetisches Sanieren sich nicht auf Rechenwerte beschränkt. Der Wohnwert und der Wohlfühlfaktor steigen mit jeder umgesetzten Maßnahme – das ist spürbar und bleibt. Ein angenehmes Wohngefühl gepaart mit einem "guten Klimagewissen" sind wertvoll. 



EKO - Energiekompetenz Ostalb e.V.
Energie- und Klimaschutzberatung des Ostalbkreises
Dr.-Schneider-Str. 56 
73560 Böbingen an der Rems
Tel. 07173/185516
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.energiekompetenzostalb.de

Weitere Informationen

  • Unterstützt von:: Unterstützt von:
Gelesen 77 mal

Schreibe einen Kommentar