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Montag, 13 November 2017 06:00

Landesjugendorchester Baden-Württemberg erhält Zertifikat „gesundes orchester“ Empfehlung

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Zertifizierung: Regina Liebold (Projektmanagement Stiftung Schloss Kapfenburg), Martin Dürr (Akademiereferent Stiftung Schloss Kapfenburg), Stephanie Münch (Orchestermanagerin), Jan Jacob (Mentorin) und Svea Kah (Mentorin) [v. l. n. r] Zertifizierung: Regina Liebold (Projektmanagement Stiftung Schloss Kapfenburg), Martin Dürr (Akademiereferent Stiftung Schloss Kapfenburg), Stephanie Münch (Orchestermanagerin), Jan Jacob (Mentorin) und Svea Kah (Mentorin) [v. l. n. r] Bild: Schloss Kapfenburg

Gesundheit gehört ab sofort zum festen Repertoire des Landesjugendorchesters Baden-Württemberg (LJO). Denn im Rahmen seines Probenaufenthaltes auf Schloss Kapfenburg wurde es nun von der Stiftung zum „gesunden orchester“ zertifiziert. Hierfür hat das Orchester zwei Gesundheitsmentoren ausbilden lassen.

Mit dem Zertifikat wird dem Landesjugendorchester attestiert, dass die Probenarbeiten und Auftrittsvorbereitungen unter idealen musikphysiologischen und -psychologischen Bedingungen stattfinden.

„Ähnlich wie beim Leistungssport sind Musiker hohen einseitigen körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt, die sich auf lange Sicht negativ auf die Gesundheit auswirken können“, erklärt Orchestermanagerin Stephanie Münch die Beweggründe, am Projekt teilzunehmen. „Studien zeigen, dass zwischen 50 und 75% der Profimusiker in Berufsorchestern unter körperlichen Beschwerden leiden. Leider denken die meisten Menschen oft erst an ihre Gesundheit, wenn sich bereits Beschwerden eingestellt haben. Umso wichtiger ist es, bereits in jungen Jahren für die Thematik der Musikergesundheit zu sensibilisieren.“

Daher hat die Stiftung Schloss Kapfenburg das Projekt „gesundes orchester“ ins Leben gerufen, das erstmals 2014 durchgeführt wurde. Innerhalb des Projekts können Orchester Gesundheitsmentoren ausbilden lassen, die nach der Weiterbildung ihre jeweiligen Orchester für die Thematik der Musikergesundheit sensibilisieren, die Musiker beraten oder sachkundig weitervermitteln und praktische Elemente in den Probenalltag integrieren. Dadurch kann musikerspezifischen Erkrankungen vorgebeugt und die Effizienz der Probenarbeit positiv beeinflusst werden.

Mittlerweile 8 Orchester bundesweit haben Gesundheitsmentoren ausbilden lassen, zwei davon sind Svea Kah und Jan Jacob vom Landesjugendorchester Baden-Württemberg. „Eine gesunde Balance, nicht nur für die körperlichen, sondern auch für die psychischen Belastungen, zu finden sowie präventiv schon bei jungen Musikern anzusetzen, ist mein Antrieb“, so Jakob. „Als Mentor möchte ich den jungen Leuten vor allem im Bereich der psychischen Stabilität Methoden mitgeben, die sie hoffentlich unterstützen, lange Freude an ihrer Leidenschaft der Musik zu haben und sie ein Stück weit auf die Berufswelt vorbereiten.“

So gehören Warm Ups und Cool Downs mittlerweile zum festen Probenplan des LJO. Auch auf ergonomische Aspekte, wie den Einsatz von Schalldämpfern oder speziellen Musikerstühlen, wird geachtet. Dadurch kann musikerspezifischen Erkrankungen vorgebeugt und die Effizienz der Probenarbeit verbessert werden.

„gesundes orchester“ wird von der Techniker Krankenkasse (TK) und der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg (DRV BW) unterstützt. Die nächste Weiterbildung startet im Frühjahr 2018. Modellorchester für die Teilnehmer in diesem Durchlauf ist dann übrigens das Landesjugendorchester Baden-Württemberg, das sich auch im Herbst 2018 wieder auf Schloss Kapfenburg auf seine Herbsttournee vorbereiten wird. 


Mehr Informationen zu „gesundes orchester“ gibt es auf www.fit-mit-musik.de.

 

Stephanie Münch

Orchestermanagerin des Landesjugendorchesters Baden-Württemberg

„Ähnlich wie beim Leistungssport sind Musiker hohen einseitigen körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt, die sich auf lange Sicht negativ auf die Gesundheit auswirken. Studien zeigen, dass zwischen 50 und 75% der Profimusiker in Berufsorchestern unter körperlichen Beschwerden leiden. Leider denken die meisten Menschen jedoch oftmals erst an ihre Gesundheit, wenn sich bereits Beschwerden eingestellt haben. Umso wichtiger ist es, bereits in jungen Jahren für die Thematik der Musikergesundheit zu sensibilisieren. Indem wir praktische Elemente, wie Haltungs- und Bewegungsübungen, in unseren Probenalltag integrieren, möchten wir dazu beitragen, dass unsere Musiker auch in Zukunft beschwerdefrei und mit Freude musizieren können.“

 

Jan Jacob

Pädagogischer Betreuer und Gesundheitsmentor im Landesjugendorchester Baden-Württemberg

„Gerade junge Musiker sind heutzutage häufig Stress ausgesetzt. Von ihnen werden hohe schulische Leistungen erwartet und sie verbringen viel Zeit in der Schule sowie auch zu Hause mit schulischer Eigenarbeit. Daneben müssen sie genug Zeit finden ihr Instrument zu üben, gerade wenn sie Profimusiker werden wollen. Außerdem sollte immer auch ein gesundes Maß Freizeitausgleich seinen Platz finden. Dies führt häufig zu zeitlichem Druck und Leistungsstress, der sich auch in körperlichen Beschwerden bemerkbar macht. Auch darf nicht vergessen werden, dass ein Auftritt vor Publikum immer mit großer Aufregung verbunden ist und der Körper ansatzweise ausdauernde Leistungen erbringen muss, welche einem Leistungssportler gleichkommen. In vielen Berufsorchestern kann man bei Musikern sowohl physische als auch psychische Erschöpfungserscheinungen beobachten.

Eine gesunde Balance nicht nur für die körperlichen, sondern auch für die psychischen Belastungen zu finden sowie präventiv schon bei jungen Musikern anzusetzen, ist mein Antrieb. Als Mentor möchte ich den jungen Leuten Methoden – vor allem im Bereich der psychischen Stabilität – mitgeben, die sie hoffentlich unterstützen, lange Freude an ihrer Leidenschaft der Musik zu haben und sie ein Stück weit auf die Berufswelt vorbereiten.“

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