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Donnerstag, 27 Juli 2017 18:00

Aalener Arbeitsagentur: Chancen für Langzeitarbeitslose Empfehlung

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Katrin Kirsch in der Bildmitte ist Beraterin der Aalener Arbeitsagentur Katrin Kirsch in der Bildmitte ist Beraterin der Aalener Arbeitsagentur Bild: Agentur für Arbeit Aalen

Seit 2011 verändert sich der Bestand langzeitarbeitsloser Menschen nur wenig und lag im Durchschnitt der Jahre leicht über einer Million. Diese Phase der Stagnation endete mit einem sichtbaren Rückgang im Jahr 2016. In der Region Ostwürttemberg sind derzeit ca. 33 Prozent aller Arbeitslosen seit über einem Jahr arbeitslos. Das ist immerhin ein Rückgang um 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und dennoch gilt: Langzeitarbeitslose Menschen profitieren nach wie vor zu wenig von der positiven Entwicklung des Arbeitsmarktes.

„Es wäre etwas verfrüht im Bereich der Langzeitarbeitslosen von einer generellen Trendwende zu sprechen, hier sind aber Chancen zu erkennen“, so Katrin Kirsch, Beraterin bei der Aalener Arbeitsagentur. „ Die Lebenslagen von langzeitarbeitslosen Menschen sind meist sehr heterogen. Die Problempalette ist breit gefächert: Gesundheitliche Einschränkungen, fehlende Mobilität, mangelnde Sprachkenntnisse, unzureichende Kinderbetreuung, um nur einige aufzuzählen.

Bei vielen Langzeitarbeitslosen treten zwei oder mehr dieser oder anderer Hemmnisse gleichzeitig auf. Damit haben viele Langzeitarbeitslose mehrfache Hindernisse zu überwinden, bevor sie eine reale Chance auf dem Arbeitsmarkt haben. Umso schöner ist es, wenn unsere intensive und ganzheitliche Beratung Früchte trägt.

So war es zum Beispiel bei Paul Chinchisan. Er hat in Rumänien 2015 den Bachelor of Science – Anlagen und Versorgungstechnik  gemacht und zuletzt dort 4 Monate als Rohrnetzingenieur gearbeitet, bevor er dann im Oktober 2015 nach Deutschland kam. Die ersten zwei Monate in Deutschland arbeitete er als Helfer in einer Klempnerei, um sich ein bisschen Geld zu verdienen. Damit hat er die Sprachkurse bis zum Sprachniveau B2 selbst finanziert. Im Juni 2016 hatte er sich dann das erste Mal bei der Agentur für Arbeit gemeldet. Viele seiner Bewerbungsbemühungen blieben erfolglos. Herr Chinchisan schaffte es nicht mal zu einem Vorstellungsgespräch. Das lag zum einen daran, dass sein Beruf hier in Deutschland – vor allem auch in der Region nicht sehr gefragt ist, zum anderen aber auch daran, dass er kaum verwertbare Zeugnisse vorweisen konnte – die dann auch anfangs nicht übersetzt waren. Hinzu kamen noch die mäßigen Deutschkenntnisse welche sich durch das „zu Hause“ sein noch mehr verschlechterten – berufliche Fachwörter kannte Paul Chinchisan natürlich nicht. Wir haben zahlreiche Gespräche geführt, einiges ausprobiert und lange nach Alternativen gesucht. Schließlich haben wir uns gemeinsam dafür entschieden, unsere Bemühungen im Bereich der Bauzeichnung zu intensivieren.

Hierfür erhielt Herr Chinchisan eine CAD Schulung bei der DAA. Nachdem er diese erfolgreich absolviert hatte, nahm ich Kontakt zu Herbert Auchter, dem Geschäftsführer der Auchter Bau GmbH auf, um mir von einem Fachmann eine Einschätzung zu den bisher erlangten Kenntnissen und Fertigkeiten des Kunden geben zu lassen. In seinen neu bezogenen Räumlichkeiten in Essingen, konnte sich Paul Chinchisan zunächst in einem 2-wöchigen Praktikum beweisen. Um auch für beide Seiten ein Optimum zu erreichen, war ich natürlich auch während dem Praktikum vor Ort, um mögliche Stolpersteine aus dem Weg zu räumen. Die Firma Auchter Bau GmbH hatte eigentlich aktuell keine ausgeschriebene Stelle. Ziel war vorrangig, ein geeignetes Feedback des Arbeitgebers über den Kenntnisstand zu bekommen und gleichzeitig hätte man mit dem Praktikumszeugnis die Bewerbungsunterlagen aufwerten können.

 

"Wir wollen nachhaltige Beschäftigungsperspektiven erschließen"
Elmar Zillert, Vorsitzender der Geschäftsleitung

 

Aber Paul Chinchisan hat mit seiner Motivation und Lernbereitschaft derart überzeugt, dass die Firma Auchter ihm eine Chance als Bauzeichner gibt“, erzählt Katrin Kirsch. „Herr Chinchisan hat uns in der kurzen Zeit einfach überzeugt. Er passt prima ins Team und den erhöhten Einarbeitungsaufwand nehmen wir gern in Kauf, da wir an sein Potential glauben. Auch dank der engen Zusammenarbeit mit Frau Kirsch, konnten wir eine individuelle Perspektive für Herrn Chinchisan schaffen.

Uns ist sehr wohl bewusst, dass wir in der ersten Zeit viel investieren müssen, aber dafür haben wir langfristig eine gute Fachkraft an unser Unternehmen gebunden und werden in naher Zukunft auch von unserem Einsatz profitieren“, so Herbert Auchter von der Firma Auchter Bau GmbH.

Und auch Elmar Zillert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Aalener Arbeitsagentur ist sich sicher: „Einsatz und Motivation werden sich lohnen. Der Schlüssel erfolgreicher Integrationsarbeit liegt gerade bei Menschen in schwierigen Lebenslagen in einer professionellen sowie individuellen Beratung und Betreuung. Deshalb ist und bleibt die Integration von bereits langzeitarbeitslosen Menschen eine Kernaufgabe der Agenturen und der Jobcenter. Wir wollen nachhaltige Beschäftigungsperspektiven erschließen und durch intensive Betreuung Langzeitarbeitslosigkeit weiter abbauen“, so Zillert.

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