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Dienstag, 05 Dezember 2017 06:00

Aalen: Unfallflucht; Kavaliersdelikt oder Zeitgeist?

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Wenn sie durch ihre Tat nur bewiesen hätten, dass sie keine Kavaliere wären, könnte man vielleicht mit einem zugedrückten Auge über diesen persönlichen Mangel hinweggehen. Doch die Feststellung, dass Unfallflucht kein Kavaliersdelikt ist, auf diese eine Schlussfolgerung zu reduzieren, ist sicherlich zu kurz gesprungen. Unfallflucht begehen heißt, einen Fehler zu machen und nicht dazu zu stehen; bedeutet, einen anderen zu schädigen und ihn mit dem Schaden, für den er selbst gar nichts kann,  alleine zu lassen.

Eine Unfallflucht zu begehen, heißt aber auch, eine Straftat zu begehen, die immerhin mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren geahndet werden kann. Sich auf diese Art und Weise aus der Verantwortung zu stehlen, ist vielleicht aber auch Zeitgeist.

Zumindest kann man diese Vermutung bekommen, wenn man weiß, dass die Zahl der Unfallfluchten, die Woche für Woche im Zuständigkeitsbereich des  Aalener Polizeipräsidiums begangen wird, sich bedenklich der Einhundertergrenze nähert. Das heißt, dass sich tagtäglich nicht nur etwa 13 Unfallverursacher ihrer Verantwortung entziehen, sondern dass dies statistisch betrachtet, jeder fünfte Unfallverursacher macht.  

Aber natürlich begeht man eine solche Tat nicht einfach so, sondern man hat ja "einen guten Grund". Und da gibt es so viele, dass man sich leicht den für sich passenden aussuchen kann: schließlich kostet einen die Ehrlichkeit eigenes Geld; Reparaturkosten am fremden Auto oder die steigende Versicherungsprämie können auch den Redlichen abschrecken. Aber auch das Wissen darum, dass man alkoholisiert ist oder unter dem Einfluss von Drogen steht, ist oft ausreichend Motivation dafür, das Weite zu suchen. Dasselbe gilt, wenn man ohne Fahrerlaubnis unterwegs ist oder auch nur, weil man es schließlich eilig hat und bekanntermaßen Zeit ja auch Geld ist. Oder weil man sich letztendlich damit beruhigt, dass es ja doch jeder macht und man nicht als einzig Ehrlicher die vielgefürchtete A-Karte ziehen will.

Zwei solcher Paradebeispiele passierten auch in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag im Raum Aalen.  Kurz vor Mitternacht machte sich ein Pkw in der Galgenbergstraße selbständig, weil er nicht ausreichend gesichert abgestellt worden war. Das Auto beschädigte dabei ein Verkehrsschild und eine Mauer. Der Fahrer nahm den Schaden zur Kenntnis und verließ die Unfallstelle ohne sich weiter um die Folgen zu kümmern. Die Polizei traf den Unfallflüchtigen rund 20 Kilometer entfernt bei sich zu Hause an, er war nüchtern, aber nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis.

Gegen zwei Uhr fand ein Verkehrsteilnehmer einen verlassenen Pkw an der Landesstraße 1029, zwischen Attenhofen und Oberalfingen. Die alarmierte Polizei erkannte, dass der VW Polo nach rechts von der Straße abgekommen war, über den Grünstreifen hinweg zunächst einen parallel verlaufenden Feldweg befuhr und dann in eine Leitplanke prallte. Der Gesamtschaden wurde auf rund 5000 Euro geschätzt. Die Kennzeichen waren abmontiert worden. Die Polizei stellte den aktuellen Fahrzeughalter jedoch über die Fahrgestellnummer des Pkws fest und nahm die Ermittlungen nach ihm im angrenzenden Bayern auf.

Noch in der Nacht stellte sich der 20-jährige Unfallfahrer dann aber selbst bei der Polizei. Er war deutlich alkoholisiert und gab zu, vor dem Unfall einen Joint geraucht zu haben. Bei ihm wurde eine Blutentnahme durchgeführt und sein Führerschein beschlagnahmt. Beide werden nun auch unter anderem wegen der begangenen Unfallflucht zur Anzeige gebracht. Doch was hätten sie tun müssen?

Auch das regelt das Gesetz:

Man muss mindestens:

  • Nach einem Unfall sofort anhalten
  • Die Unfallstelle sichern und bei geringfügigen Schäden die Unfallstelle räumen und Verletzten helfen
  • den anderen Unfallbeteiligten seine eigene Beteiligung am Unfall angeben und seine Personalien nennen
  • Die Unfallstelle darf erst verlassen werden, wenn alle Beteiligten die Feststellungen zur Person, zum Fahrzeug und zur Art der Beteiligung ermöglicht wurden 
  • Wo das nicht möglich war, muss eine angemessene Zeit gewartet werden und wo nötig anschließend die benötigen Angaben hinterlegt werden 
  • Zudem müssen in diesem Fall den Berechtigten oder der Polizei unverzüglich anschließend die nötigen Feststellung ermöglicht werden

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