Dienstag, 04 April 2017 06:00

Festival Europäische Kirchenmusik Gmünd: Vorverkaufsstart!

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Anna-Maria Hefele Anna-Maria Hefele Bild: Anna S.

Insgesamt 44 Veranstaltungen stehen auf dem Programm, darunter 23 Chor-, Ensemble- und Solistenkonzerte. Die Bandbreite reicht vom Eröffnungsevent mit dem amerikanischen Orgelrevolutionär Cameron Carpenter über eine Jazz-Night mit Simin Tander und Moritz von Woellwarth bis zur hochkarätig besetzten „h-Moll Messe“ von Johann Sebastian Bach mit dem Windsbacher Knabenchor und dem Freiburger Barockorchester. Sieben Konzerte werden für das Hörfunkprogramm SWR2 aufgezeichnet. Der Kartenvorverkauf beginnt am 30. März. 


Eröffnung und Preisverleihung


Cameron Carpenter, ein wahrer Zauberkünstler an seiner digitalen Touring-Orgel, eröffnet die Festspielsaison am Donnerstag, 13. Juli, um 20 Uhr auf dem Gmünder Johannisplatz. Für das Open-Air-Event sind Eintrittskarten zu 10 Euro (ermäßigt 5 Euro) im i-Punkt und im Onlineshop unter www.kirchenmusik-festival.de erhältlich, die Bewirtung übernimmt der Festival-Freundeskreis. Am Freitag, 14. Juli, um 18.30 Uhr schließt sich der ökumenische Eröffnungsgottesdienst in der Gmünder Augustinuskirche an. Monsignore Prof. Dr. Wolfgang Bretschneider wird als Festprediger die Liturgie gemeinsam mit Pfarrer Matthias Plocher und Münsterpfarrer Robert Kloker feiern. Die musikalische Gestaltung übernimmt der junge Kammerchor des Kopernikus-Gymnasiums Wasseralfingen – der erste Patenchor des SWR Vokalensembles. Unter Leitung von Thomas Baur bringen die mehrfach prämierten Stimmen Werke von Heinrich Schütz, Vytautas Miškinis und Ola Gjeilo zur Festivaleröffnung mit. Bezirkskantor Thomas Brückmann umrahmt die Liturgie mit festlichem Orgelspiel.
Den Preis der Europäischen Kirchenmusik 2017 übergibt Oberbürgermeister Richard Arnold am Samstag, 15. Juli, im Anschluss an das Preisträgerkonzert um 20 Uhr im Heilig-Kreuz-Münster an den Komponisten Wolfgang Rihm. Er zählt zu den bedeutendsten Künstlern der Gegenwart, seine Werke fehlen auf keinem Spielplan – Beispiele hierfür sind die Auftragskomposition bei der Eröffnung der Elbphilharmonie in Hamburg, eine „Missa Brevis“ für Chor und aktuell (30.3.) die groß besetzten „Requiem-Strophen“ für die Musica Viva des Bayerischen Rundfunks Vor der Preisverleihung erklingen im Konzert mit dem Bachchor Stuttgart, dem Südwestdeutschen Kammerchor Tübingen und dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim unter der Leitung von KMD Jörg-Hannes Hahn die Werke „Memoriam“ für Alt, Knabenstimme, Chor und Orgel, „Toccata, Fuge und Postludium“ für Orgel und das monumentale „Maximum est Unum“ für Alt, vier Soprane, zwei Chöre und Orgel von Wolfgang Rihm sowie das „Kyrie d-Moll“ von Wolfgang Amadeus Mozart und die Kantate „Jauchzet Gott in allen Landen“ von Johann Sebastian Bach. Der international gefeierte Komponist wird für seine großen Verdienste um die Lehre zeitgenössischer Musik sowie für sein besonderes Schaffen im Horizont Geistlicher Musik geehrt: „Musik muss voller Emotion sein, die Emotion voller Komplexität“. Sein Aufgreifen spiritueller Texte verbindet Wort und Ton zu einer überzeugenden Einheit, die stets den Menschen im Blick hat, wesentliche Fragen reflektiert und emotional ergreift. 


Musikalische Erlebniswelten


Zum Festivalthema „In Raum und Zeit“ werden die Besucher auf eine spannende Entdeckungsreise eingeladen: Die Windsbacher zählen zur absoluten Weltspitze der Knabenchöre. Sie gastieren mit dem Freiburger Barockorchester und den Vokalsolisten Robin Johannsen, Sophie Harmsen, Julian Prégardien und Andreas Wolf im Heilig-Kreuz-Münster Schwäbisch Gmünd. Unter der Leitung von Martin Lehmann steht Johann Sebastian Bachs monumentale „h-Moll Messe“ auf dem Programm (3.8.). „Sieben Klangräume“ des österreichischen Komponisten Georg Friedrich Haas (*1953) ergänzen im Konzert mit dem SWR Vokalensemble und dem neuen SWR Symphonieorchester das berühmte „Requiem“-Fragment von Wolfgang Amadeus Mozart. Zuvor erklingen von Olivier Messiaen die Motette „O sacrum convivium“ und das Vokalwerk „Louange à l’éternité de Jésus“, eingerichtet für 19 Stimmen vom Festivalpreisträger 2012 Clytus Gottwald. Die Leitung hat der junge estnische Dirigent Risto Joost (22.7.). 
Zu den weiteren Höhepunkten im Heilig-Kreuz-Münster zählt das Konzert des Collegium Vocale Schwäbisch Gmünd: Existentielle Berührung und schwebendes Zeitempfinden kennzeichnen Gija Kantschelis Werk „Styx“. Dramatik und Leidenschaft im Horizont der letzten Dinge beherrschen Carl Nielsens Sinfonie Nr. 4 „Die Unauslöschliche“ und münden in die klassische Schönheit der „Psalmensinfonie“ von Igor Strawinsky. Dirigent Walter Johannes Beck widmet sich mit seinen Ensembles dieser spannungsgeladenen, intensiven Konzertdramaturgie (27.7.). Die Deutsche Streicherphilharmonie – das Spitzenorchester der deutschen Musikschulen – beschließt das Festival mit einem unterhaltsamen Klassik-Open-Air auf dem Gmünder Münsterplatz: Abwechslungsreich und im besten Sinne populär spannt sich das schwungvolle Programm der Serenade von Klassikern wie Antonio Vivaldis „Der Sommer“ bis zur romantischen Sehnsuchtsmusik Gustav Mahlers und dem flimmernden Sternenhimmel eines Reisenden durchs Universum bei Peteris Vasks. Die Leitung hat Dirigent Wolfgang Hentrich, der den Abend launig moderieren wird (5.8.). 
Früh wusste Martin Luther um die Kraft der Musik – seine Lieder und Choräle inspirierten Georg Philipp Telemann zu kunstvollen Kantaten mit sinnlichen Arien, wortgewaltigen Rezitativen und schmetternden Chören, die zum Jubiläum „500 Jahre Reformation“ im Programm 2017 nicht fehlen dürfen. Für das Festkonzert konnte die Festivalleitung Thomaskantor Gotthold Schwarz gewinnen. Mit dem Bach-Consort Leipzig und Sächsischen Barockorchester ist er in der Augustinuskirche zu Gast. Zwischen den Telemann-Kantaten gibt der berühmte Publizist und Pfarrer Friedrich Schorlemmer Denkanstöße zu aktuellen Themen (20.7.). Ebenfalls aufgegriffen wird das Jubiläum von Moritz von Woellwarth: Der in Schwäbisch Gmünd bekannte Posaunist hat für die „Jazz-Night“ in der Augustinuskirche eine Suite mit dem Titel „Re-Formation – Aufbruch ins Ungewisse“ komponiert, die er mit seinem Abstrakt Orchester als Uraufführung präsentiert. Im ersten Teil des „Double Feature“ zaubert das Duo Uwe Steinmetz und Daniel Stickan gemeinsam mit der aufregenden Stimme der sinnlichen Jazz-Sängerin Simin Tander atmosphärische Klangwelten in den Kirchenraum (29.7.). Das zweite Jubiläum in der Festspielsaison 2017 bezieht sich auf eine eindrucksvolle Gmünder Tradition: 400 Jahre St. Salvator – ab dem 18. Jahrhundert bis zur Säkularisation im Jahr 1803 erlebte das Gmünder Passionsspiel seine Blüte. Der Kreuzweg zum Salvator bezieht seine barocken Figuren unmittelbar auf diese Tradition. Prof. Dr. Hermann Ullrich von der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd hat für junge Talente um die aufstrebende Dirigentin Mareike Kottmann ausgewählte Musik zum Passionsspiel für eine konzertante Aufführung in St. Franziskus zusammengestellt. Studierende der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd drehen unter Leitung von Marco Kreuzer rund um den Salvator Video-Clips. Diese werden im Konzert eingespielt – sie verbinden die Tradition der Gmünder Passionsmusik mit dem Salvator-Jubiläum (26.7.). 
Liebhaber exquisiter Barockmusik sollten sich auch den ersten Festivalsonntag nicht entgehen lassen: Makellose Intonation, plastische Gestaltung und eine mitreißende Verve kennzeichnen das vielfach preisgekrönte Ensemble A Corte Musical, zuletzt für den Grammy nominiert. Unter Leitung von Rogério Goncalves bringen die temperamentvollen Sänger und Instrumentalisten Festgesänge, geistliche Villancicos und Pavanen aus Portugal in die reich geschmückte Wallfahrtskirche Unterkochen (16.7.). Das italienische Ensemble Micrologus ist am zweiten Festivalsonntag im Kloster Lorch zu Gast. Im beeindruckenden Ambiente der Klosterkirche erklingen Marienlieder, Tänze und Motetten aus dem Spanien des 13. und 14. Jahrhunderts. Das Ensemble lädt die Festivalbesucher mit lebensfroher Musik ein auf eine Zeitreise zu den Pilgern und Mönchen ins Kloster Montserrat (23.7.). 
Weitere musikalische Schätze versprechen unvergessliche Festivalmomente: Einen Spagat zwischen meditativer Klangschönheit und Experimentierfreude wagen die Cellistin Christina Meißner und am Akkordeon Claudia Buder. Im Kloster der Franziskanerinnen Schwäbisch Gmünd widmen sich die feinsinnigen Künstlerinnen hingebungsvoll einem Programm von Hildegard von Bingen über Gabriel Fauré bis Arvo Pärt und Toshio Hosokawa (19.7.). „No Time in Eternity“ hat das Ensemble Céladon aus Lyon sein Konzert in der Johanniskirche Schwäbisch Gmünd übertitelt, das Kompositionen für Countertenor und Gambenquintett präsentiert. Werke aus den Elisabethanischen Consort Songs werden kombiniert mit zeitgenössischer Musik. Diese außergewöhnliche Verbindung von alten und neuen Klangwelten erzeugt mit einem aufwendig gestalteten Bühnenaufbau eine besondere Magie (28.7.). Im dritten Nachtkonzert des Festivals darf sich das Publikum auf die Josquin Capella aus Berlin freuen. Begleitet von Bildprojektionen aus der sich im Vatikan befindenden Cappella Sistina öffnet das Ensemble mit Musik aus dem 15. und 16. Jahrhundert neue Horizonte. Kunstvolle Motetten entführen an diesem Abend in die von Michelangelo gestaltete vatikanische Kapelle – bis heute eine der Hauptattraktionen Italiens (4.8.). 

Vom Rande des Universums
Das Ensemble Supersonus mit der faszinierenden Obertonsängerin Anna-Maria Hefele schafft ein eigenes, sphärisch-mystisches Universum in der Johanniskirche. Die Resonanz der Obertöne inspiriert die Musiker zu tiefgründig freiem Spiel, das Glücksmomente entfaltet und den Hörern besondere akustische Erlebnisse bereitet (18.7.). Weitere Schlagzeilen vom Rande des Universums sind Gravitationswellen, schwarze Löcher und die kosmische Hintergrundstrahlung. Diese Phänomene wird der bekannte Fernsehmoderator Harald Lesch, Professor für Astronomie und Astrophysik in München, gemeinsam mit seinem musikalischen Partner Rüdiger Glufke an der Orgel im ersten Nachtkonzert des Festivals thematisieren (21.7.). Eine grenzüberschreitende Erfahrung garantiert darüber hinaus die Uraufführung „Music for an Open Space“: Im langen Schiff der historischen Johanniskirche erklingt die „Xala“, ein weltweit einzigartiges, tanzend bespielbares Bodenxylophon, das Ania Losinger mit Flamenco-Schuhen und langen Stäben zum Klingen bringt. Ihr Partner Mats Eser bedient dazu ein reiches Instrumentarium aus Marimba, Vibraphon und verschiedenem Schlagwerk. Im kongenialen Zusammenspiel jonglieren sie mit Impulsen, Rhythmen, Echos und atmender Stille (25.7.). 


Kosmos Orgel 
Nach der Eröffnung des Festivals mit Cameron Carpenter füllen drei international besetzte Recitals das Heilig-Kreuz-Münster mit hochkarätigen Orgelklängen: Aus der berühmten Kathedrale Sagrada Família von Gaudí in Barcelona ist der junge Organist Juan de la Rubia für das erste Orgelkonzert engagiert. Die Presse lobt sein kraftvolles, technisch souveränes Spiel, seine überbordende Virtuosität und seine Improvisationsgabe. In Schwäbisch Gmünd ist er mit Werken von Johann Sebastian Bach über Louis Vierne bis Richard Wagner zu hören (21.7.). Das zweite Orgelkonzert hat Hayo Boerema aus Rotterdam mit dem Titel „Ein Spiegel in Zeit und Raum“ überschrieben. In Groningen geboren, ist Hayo Boerema aktuell Titular-Organist der St. Laurenskerk in Rotterdam. Er war 1998 Finalist in Haarlem und als Juror und Kursleiter bereits in Schwäbisch Gmünd zu Gast. Neben einer eigenen Improvisation stehen Werke von Ad Wammes, Jean Langlais, Olivier Messiaen und Jeanne Demessieux auf dem Programm (28.7.). Der schwedische Konzertorganist Hans Davidsson aus Göteborg hat für sein Recital in Schwäbisch Gmünd einige Werke ausgewählt, die nur selten gespielt werden. Unter dem Motto „Zyklus des Lebens“ reicht die Bandbreite von der Alten Musik mit Georg Böhm und Franz Tunder über Felix Mendelssohn Bartholdy bis zu den Zeitgenossen Martin Herchenröder und Arvo Pärt (4.8.). Das Finale des 15. Internationalen Wettbewerbs für Orgelimprovisation rundet den faszinierenden Kosmos der Orgelmusik im Festival ab (30.7.). 

Young Music World
Eine erstmalige Kooperation mit der Jugendkunstschule Schwäbisch Gmünd erweitert das „Offenes Atelier“. Am zweiten Festivalsamstag stehen das Freie Malen, Gestalten und Plastizieren von 13 bis 15 Uhr in der Jugendkunstschule am Münsterplatz im Vordergrund. Ob alleine oder gemeinsam – der Kreativität der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen im Alter von 6 bis 16 Jahre sind keine Grenzen gesetzt. Zur Umsetzung des Festivalthemas „In Raum und Zeit“ stehen Farben, Staffeleien, Spachtel, Pinsel, Ton und weitere Materialien zur Verfügung (22.7.). Ein Meisterkurs Chordirigieren mit Prof. Morten Schuldt-Jensen lädt fortgeschrittene Dirigentinnen und Dirigenten vom 30. Juli bis 1. August nach Schwäbisch Gmünd ein. Der Kurs mündet in ein öffentliches Abschlusskonzert, bei dem ausgewählte Teilnehmerinnen und Teilnehmer dirigieren werden. Heiko Plank ergänzt das Programm mit Zwischenmusiken für Solo-Gitarre (1.8.). Frühzeitig sollte man sich außerdem für das Konzert der Vocal Group Mixtet aus Estland Tickets sichern. Seit der Prämierung des Ensembles beim Leipziger A-Cappella-Wettbewerb 2013 geht es für Mixtet auf der Karriereleiter steil bergauf: Im Festival gestalten die brillanten Stimmen ein aktuelles Panorama mit bewegenden Volksliedern aus ihrer Heimat, virtuosen Vokalsätzen und halsbrecherischen Jazz-Harmonien (2.8.). 
Begleitveranstaltungen
Wertvolle Kooperationspartner ergänzen das Festivalprogramm mit Begleitveranstaltungen zum Thema „In Raum und Zeit“. In Verbindung mit der Gmünder Volkshochschule hält Prof. Dr. Lutz Kasper von der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd einen Vortrag über die naturwissenschaftliche und interdisziplinäre Betrachtung von Raum und Zeit (22.6.). Für einen zweiten Vortrag konnte Prof. Dr. Werner Frank von der Universität Ulm nach Schwäbisch Gmünd gewonnen werden. Er spricht über die gregorianische Kalenderreform und beleuchtet den Streit zur aktuellen Diskussion um überzählige „dunkle Jahrhunderte“ (4.7.). Die Ausstellung „Raum und Zeit“ vom 13. Juli bis 6. August zeigt im „Labor im Chor“ im Kulturzentrum Prediger zeitgenössisches Kunsthandwerk. Das Musikforum in Kooperation mit der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart gibt Einblicke in die musikalische Welt des Komponisten Wolfgang Rihm. Dabei richtet sich der Fokus auf das geistlich inspirierte Werk, dezidiert auf die Werke, die anschließend im Preisträgerkonzert für Wolfgang Rihm im Heilig-Kreuz-Münster erklingen. Der Eintritt zum Musikforum ist frei (15.7.). Künstlergespräche zu den Abendveranstaltungen ergänzen das umfangreiche Begleitprogramm. Darüber hinaus wird die Festivalatmosphäre maßgeblich durch charmante Aktionen des Festival-Freundeskreises geprägt. 


Informationen und Karten


Die umfangreiche Festivalbroschüre und Karten sind erhältlich beim i-Punkt, Marktplatz 37/1, 73525 Schwäbisch Gmünd, Telefon (07171) 603-4250. Karten und weitere Informationen unter www.kirchenmusik-festival.de.


Weblinks:


www.kirchenmusik-festival.de

Weitere Informationen

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Gelesen 120 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 30 März 2017 17:58

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