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Freitag, 19 Mai 2017 18:00

Prof. Dr. Peter Eichinger und Prof. Dr. Bernhard Höfig erhalten den Lehrpreis der Hochschule Aalen

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Bild: Hochschule Aalen Bild: Hochschule Aalen Freuen sich über den Lehrpreis 2017 der Hochschule Aalen: Prof. Dr. Peter Eichinger und Prof. Dr. Bernhard Höfig (v. l. ) aus dem Studiengang Mechatronik.

 

Über gute Lehre wird viel diskutiert. Sie stellt hohe Anforderungen an die Lehrenden und geht weit darüber hinaus, Fachinhalte korrekt wiederzugeben. Doch was bedeutet gute Lehre eigentlich? Wir haben darüber mit Prof. Dr. Peter Eichinger und Prof. Dr. Bernhard Höfig gesprochen, die Mechatronik an der Hochschule Aalen lehren – und jetzt für ihr Engagement mit dem Lehrpreis der Hochschule Aalen gewürdigt wurden.

„Lehren heißt, ein Feuer entfachen, und nicht, einen leeren Eimer zu füllen“, lautet ein berühmtes Zitat des griechischen Philosophen Heraklit. Herr Prof. Dr. Eichinger, Herr Prof. Dr. Höfig, was macht Ihrer Meinung nach gute Hochschulausbildung aus?

 

Prof. Dr. Eichinger: Gute Lehre bedeutet für mich, den einzelnen Menschen zu sehen und den Raum zu schaffen, dass jeder seine Potenziale entfalten kann. Wir möchten unsere Studierenden zum „lebenslangen Lernen“ befähigen – und natürlich Begeisterung wecken. Heraklit ist da mit seinem Bonmot zeitlos aktuell.
Prof. Dr. Höfig: Aktualität ist ganz wichtig, wir müssen mit der Lehre auf der Höhe der Zeit sein. Umso mehr, als wir uns mit der fortschreitenden Digitalisierung gerade in einem evolutionären Transformationsprozess befinden. Die Menschen, die wir heute ausbilden, sind die Entwickler und Entscheider von morgen. Und sie sollen dann in der Lage sein, die Entwicklung von Produkten und Prozessen zu gestalten.

Wenn Sie sich an Ihre eigene Schul- bzw. Studienzeit zurückerinnern: Was hat Sie begeistert, was abgeschreckt?
Prof. Dr. Höfig: Abschreckend war das Auswendiglernen, das reine Abfragen von Fakten, das stupide Pauken von Wissen. Großen Spaß hat das Lernen immer dann gemacht, wenn man damit verbinden konnte, wofür man das Ganze braucht. Also ganz konkrete Anwendungsbeispiele, verbunden mit dem Bezug zu aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen. Mein Mechanik-Professor damals an der Universität hat uns immer herausgefordert, darüber nachzudenken, was in der Welt passiert. Begeistert hat mich auch, wenn anspruchsvolle Themen mit Leichtigkeit und einer guten Portion Humor vermittelt wurden. Lachen hilft beim Lernen – das ist wissenschaftlich erwiesen. Lachen ist also sozusagen Doping fürs Gehirn. (lacht)

Für Ihr besonderes Engagement in der Lehre sind Sie beide jetzt mit dem Lehrpreis der Hochschule Aalen ausgezeichnet worden. Nominiert wurden Sie dafür von Studierenden. Was ist Ihr Geheimnis? Haben Sie da eine Art Patenrezept?
Prof. Dr. Eichinger: Uns sind anwendungsorientierte Projekte sehr wichtig. Wir möchten jungen Menschen die Möglichkeit geben, an Aufgaben zu wachsen. Deshalb bieten wir unseren Studierenden beispielswiese jedes Semester einen „Makeathon“ (von „to make“ und „Marathon“) an – ein interaktives Format, wo in Teams zusammen gedacht, konstruiert und programmiert wird. In drei Tagen müssen die Teilnehmer aus einer Idee einen Prototypen fertigen. „Make, Create & Have Fun!“ lautet unser Motto, und tatsächlich haben unsere Studierenden sichtlich viel Spaß  dabei. Ein tolles Beispiel für anwendungsorientierte Projekte ist auch unser „smart4i Industry Demonstrator“, mit dem wir jetzt auf der Messe interpack 2017 waren: Für den Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) hat ein interdisziplinäres und internationales Team aus 36 Studierenden in Kooperation mit Industriepartnern den Demonstrator umgesetzt. Er zeigt, wie man Konzepte der Vision Industrie 4.0 bereits heute mit der richtigen Zusammenstellung von Elementen des Stands der Technik realisieren kann. Besucher können eine in Farbe, Verpackung und Beschriftung individualisierte Powerbank über das Internet bestellen und unmittelbar darauffolgend den Prozess live am smart4i Demonstrator verfolgen. Was uns darüber hinaus begeistert,  ist die extrem kurze Entwicklungszeit von nur 36 Wochen für das gesamte Projekt von der ersten Idee bis zur Realisierung auf der Messe. Alle Projektpartner haben sich mächtig ins Zeug gelegt, um diesen Demonstrator erfolgreich in Betrieb zu nehmen.
Prof. Dr. Höfig: Ein einfaches Patentrezept für gute Lehre gibt es natürlich nicht. Aber ich bin ein Freund von „Fördern durch Fordern“.

Wie muss sich die Hochschullehre in Zeiten der Digitalisierung Ihrer Ansicht nach weiterentwickeln?
Prof. Dr. Eichinger: Unter dem Einfluss der Digitalisierung verändern sich die Strukturen der Lehr- und Lernsituation grundlegend. Es entstehen neue didaktische Möglichkeiten der Wissens- und Kompetenzentwicklung. Wir müssen neue Lehrformen entwickeln, die es uns  ermöglichen, aktuelle technische Neuerungen und Entwicklungsprozesse praxisnah zu vermitteln. Dazu eignen sich sehr gut kostengünstige Starter-Kits für IoT-Anwendungen oder auch Bausätze für einfache Roboter, die wir beispielsweise bei den Makeathons einsetzen. Wichtig ist auch die Verstärkung der interdisziplinären und internationalen Ausrichtung.
Prof. Dr. Höfig: Nicht zuletzt möchten wir positive Erfahrungen ermöglichen, damit unsere Studierenden mutig und zuversichtlich neue Herausforderungen angehen können. Mit der Erfahrung „Das haben wir gut hingekriegt!“ geht das doch alles viel leichter.

 

Herr Prof. Dr. Eichinger, Herr Prof. Dr. Höfig, vielen Dank für das Gespräch!

 

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