Montag, 17 April 2017 06:00

IHK-Fachkräftemonitor: größte Lücke bei Fachkräften mit hoher Bildung

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IHK-Fachkräftemonitor: größte Lücke bei Fachkräften mit hoher Bildung Bild: IHK Ostwürttemberg

Laut neuesten Daten des Fachkräftemonitors der IHKs im Land werden in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2030 durchschnittlich rund 257.000 Fachkräfte pro Jahr fehlen, davon rund 9.500 in der Region Ostwürttemberg. Die aktuellen Prognosezahlen belegen, dass sich der Fachkräftemangel auch angesichts der guten Konjunktur in den nächsten Jahren weiter verschärfen und zu einer stetigen Herausforderung für die regionale Wirtschaft werden kann.

Für das Jahr 2017 weist der IHK-Fachkräftemonitor für Ostwürttemberg zwar lediglich eine Deckungslücke zwischen Angebot und Nachfrage von rund 1.000 Fachkräften aus. „Leider dürfte sich diese Situation so jedoch nicht fortsetzen“, so IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle zu den neuesten Prognosen. „Denn aus heutiger Sicht wird die Fachkräftenachfrage in den nächsten Jahren weiter steigen; bei gleichzeitig nachlassendem Erwerbspersonenpotenzial wird der regionale Bedarf nicht zu decken sein. Überhaupt ist mit einem Fachkräfteüberschuss bis zum Prognosehorizont 2030 nicht mehr zu rechnen.“ Ein erster Höhepunkt in der Deckungslücke könnte bereits im Jahr 2021 erreicht sein. Dann würde einer prognostizierten regionalen Nachfrage von 147.000 Fachkräften nur ein Angebot von 136.000 gegenüberstehen. Das bedeutet, dass dem regionalen Arbeitsmarkt über alle Wirtschaftszweige hinweg rund 11.000 Fachkräfte fehlen werden. In den Folgejahren wird aus heutiger Sicht die Deckungslücke zwar etwas geringer ausfallen, jedoch bis Jahr 2030 wieder auf 15.000 anwachsen; der Durchschnittwert liegt damit bei 9.500 fehlenden Fachkräften pro Jahr.
Vor allem bei Fachkräften mit einer hohen beruflichen Qualifizierung, also Meister, Techniker, Betriebswirte und Fachkaufleute, könnte sich das Angebot deutlich verringern. Bis 2030 würden demnach durchschnittlich 3.300 Personen mit diesen Qualifikationen pro Jahr fehlen. Der Mangel an Meistern und Technikern schlägt sich insbesondere in den Berufsgruppen Mechatronik und Automatisierungstechnik, Technische Forschung und Entwicklung, sowie Maschinen- und Anlagenbau nieder. Eberle: „Ein Mangel dieser sehr gut qualifizierten Fachkräfte würde unsere industrie- und innovationsstarke Region besonders empfindlich treffen. Dazu kommt erschwerend, dass sich diese Berufsbilder nicht unerheblich verändern werden und wir hier quasi vor einer doppelten Herausforderung stehen“.

Der Fachkräftemangel bei Beschäftigten mit mittlerer Qualifikation, also Absolventen einer Berufsausbildung ohne Fortbildungsqualifizierung, wird sich ebenfalls verstärken. Zwar kann im laufenden Jahr die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt nahezu befriedigt werden, jedoch wird in Zukunft das Angebot weiter sinken. Bis 2030 werden durchschnittlich 5.500 beruflich ausgebildete Fachkräfte pro Jahr fehlen.

In den akademischen Berufen werden bis 2030 durchschnittlich 760 Fachkräfte pro Jahr fehlen. Insbesondere Absolventen aus den Bereichen Wirtschaftswissenschaften und Unternehmensführung werden fehlen. Auch Ingenieure wird es weiter zu wenige auf dem Arbeitsmarkt geben.

Michaela Eberle: „Die Entwicklungen sind allein schon durch den demografiebedingten Bevölkerungsrückgang schwer zu beeinflussen. Deshalb sind die Anstrengungen seitens Wirtschaft, Wissenschaft und der Kammern genau die richtigen: die Menschen in der Region zu bilden und damit zu halten und parallel dazu möglichst attraktiver Arbeits- und Lebensort auch für Zuzugswillige zu sein. Die im wahrsten Sinne des Wortes günstigen Bedingungen in Ostwürttemberg kommen uns dabei sehr entgegen.“

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Gelesen 235 mal Letzte Änderung am Freitag, 14 April 2017 15:07

1 Kommentar

  • Kommentar-Link Jochem Kaufmann Montag, 17 April 2017 11:04 gepostet von Jochem Kaufmann

    Immer wieder scheint die Gründung einer Universität in Aalen überlebensnotwendig für die gesamte Region zu sein.
    Aber nicht nur in Technik und Wirtschaft, sondern auch in den Sozial- und Humanwissenschaften ist der Fachkraftmangel immens und ein Garant zur Bindung an eine Region ist es, in dieser nicht nur die Arbeits-, sondern auch Bildungsangebote vorzuhalten.
    Die Universität in Aalen ist überfällig.

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